Palmöl – das umstrittene Öl aus dem Regenwald

Schokolade, Margarine, Tiefkühlpizzen, Rasierschaum oder Lippenstift. Fast täglich konsumieren und nutzen wir Produkte, die Palmöl enthalten.

Ob in Nahrungsmitteln, Wasch- und Reinigungsmitteln oder Kosmetikprodukten: laut WWF befindet sich das günstige Pflanzenöl mittlerweile in jedem zweiten Supermarktprodukt. Mit einem Anteil von einem Drittel am globalen Gesamtverbrauch ist Palmöl somit das weltweit wichtigste Pflanzenöl.
Um die stetig steigende Nachfrage von uns Konsumenten zu decken werden bereits 60 Millionen Tonnen Palmöl pro Jahr produziert. Innerhalb weniger Jahre hat sich der Verbrauch mehr als verdoppelt. Ohne es zu wissen, entscheiden wir mit dem Einkauf von Palmölprodukten über das Schicksal des Regenwaldes und der dort lebenden bedrohten Tierarten. Wir möchten dir einen Überblick über das teils beliebte, vielseitig verwendbare, aber auch schädliche Produkt geben.

Anbau von Palmöl

Palmöl wird hauptsächlich in Indonesien und Malaysia angebaut. Auch Länder in Südamerika ziehen nach. Die Ölpalme gedeiht nämlich am besten im tropischen Regenwald. Um Palmöl zu gewinnen, werden in großem Stil tropische Wälder gerodet und dafür riesige Plantagen angelegt. Laut WWF bedecken Palmöl-Plantagen weltweit inzwischen zwölf Millionen Hektar Fläche. Das ist etwa ein Drittel der Fläche der Bundesrepublik.

Die riesigen Monokulturen bedrohen die biologische Vielfalt und rauben zahlreichen Tieren, wie z.B. dem Orang-Utan oder Tigerarten, den Lebensraum. Durch die Zerstörung des Regenwaldes werden Unmengen CO2 freigesetzt, Biodiversität geht verloren und das Ökosystem wird gefährdet. Auch die Menschen in den Regenwald-Gebieten haben unter dem Palmöl-Boom zu leiden. Sie werden (teilweise gewaltsam) von ihrem Land vertrieben.

Was muss sich ändern?

Bei der Produktion von Palmöl kommt es insbesondere auf das „WIE“ an. Die Herstellung muss nach Kriterien ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit geschehen. Dafür müssen Produzenten aber auch wir Abnehmer in der ganzen Welt Verantwortung übernehmen. Einen Anfang macht der „Runde Tisch für Palmöl“ (RSPO) mit einem Mindest-Standard für den Anbau von Palmöl. Die Mitglieder haben sich bislang zu folgenden Kriterien verpflichtet:

  • Die Nicht-Rodung von Primärwäldern und kein Abbrennen von Wäldern
  • Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten auf der Plantage
  • Einhaltung gesetzlicher Landnutzungs- und Eigentumsrechte
  • Keine Kinderarbeit!
  • Mehr Bildungsangebote für die Mitarbeitenden auf der Plantage
  • Einbindung und Förderung von Kleinbauern sowie
  • Kontrolle der Plantagen durch unabhängige, autorisierte Prüfer.

Außerdem wurden die ökologischen und sozialen Anforderungen 2018 in einem öffentlichen Konsultationsprozess überarbeitet. Zu den verstärkten Kriterien gehören:

  • Verbot des Anlegens von neuen Plantagen auf Torfböden jeglicher Tiefe sowie auf Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt (HCS)
  • Verbot des Einsatzes von hochgefährlichen Pestiziden (WHO Klassen 1A und B, Rotterdam Konvention, Stockholmer Übereinkommen sowie Paraquat) mit wenigen Ausnahmen
  • Strengere Regelungen in Bezug auf Legalität und Rückverfolgbarkeit von allen Palmölfrüchten (Fresh Fruit Bunches oder FFBs)
  • Stärkere Anforderungen für die Einbindung von Kleinbauern.

Einige Organisationen kritisieren den Runden Tisch und halten diese Mindest-Standards für viel zu schwach. Sie fordern den kompletten Verzicht auf Zusatzstoffe, wie Palmfett oder Palmöl, in Lebensmitteln und Kosmetika. Firmenlisten helfen dir zu sehen, welche Unternehmen sich dem Thema stellen und schon gehandelt haben.


Wie wäre es mit fairem Palmfett?

Palmöl bzw. Palmfett ist für die Herstellung von Schokolade und Keksen unabdingbar. Bislang konnte das Palmfett nicht nachhaltig gewonnen werden.

Die "GEPA - The Fair Trade Company" hat jedoch einen Handelspartner in Ghana, der sein Bio-Palmfett nachhaltig gewinnt. Die Farmer von Serrendipalm besitzen jeweils circa zwei Hektar Land und bewirtschaften dieses nachhaltig. Die erwirtschafteten Fairtrade-Prämien werden vor allem in Gemeindeprojekte investiert – beispielsweise in Brunnenanlagen. Der GEPA Handelspartner erfüllt die Kriterien des Fairen Handels und die EU-Standards für ökologischen Landbau.

Weitere Informationen zu diesem Thema findet ihr auch auf der Infoseite von der GEPA 


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